“Operation Walküre” – Durchaus sehenswert

Knapp eine Woche ist es nun her, dass ich den im Vor- und Nachhinein schon so viel kritisierten Film mit Tom Cruise gesehen habe. Ungeachtet der “Scientology”-Verschwörungsgerüchte um den Hauptdarsteller ging ich mit ein paar Freunden ins Kino und kann nun sagen: Im Großen und Ganzen hat es sich gelohnt.

Erwartungsgemäß, da Hollywood-Produktion, verzichtet der Film nicht auf aufwändiges Kriegsspektakel schon zu Beginn. Von Anfang an ist es spannend und hektisch; daran ändert sich im Laufe des Films auch nichts – jedenfalls wird es nicht langweilig. Tom Cruise in der Hauptfigur, als heroischer Hitler-Attentäter, macht seine Sache soweit auch ganz gut. Er ist eindeutig der Mittelpunkt des Films, die meisten anderen Charaktere erscheinen eher unwichtig. Natürlich findet auch ein Stückchen Familienschmalz seinen Platz.

Allgemein finde ich es gut, dass mit “Operation Walküre” ein auf historischem Stoff aufbauender Film herausgekommen ist, der auch vom Unterhaltungswert her für die “breite Masse” der Jugendlichen geeignet ist. Denn meiner Meinung nach wäre es schon ein großer Erfolg, wenn der Film es schafft, die größtenteils politisch total uninteressierten Jugendlichen für das Dritte Reichund vielleicht auch damit verbundene Themen wie Faschismus und Fremdenfeindlichkeit in der heutigen Zeit zu interessieren. Geschichtsunterricht und Aufklärung kann der Film sicherlich nicht ersetzen, da das Nazi-System an sich in dem Film in der Hektik der Handlung zu kurz kommt  – man bekommt höchstens einen Hauch des damaligen Wahnsinns zu spüren. Besonders beeindruckend fand ich allerdings in diesem Zusammenhang die Szenen, in denen das Ersatzheer, von Stauffenberg im Glauben, die Bombe habe Hitler getötet, beauftragt, die Quartiere der SS stürmt und gewissermaßen die eigenen Leute festnimmt.

Abgesehen davon, dass ich den geschichtlichen Kontext, nämlich das von Hitler regierte Nazi-Deutschland, im Film ein bisschen vermisst habe, bleibt noch die doch sehr einseitige Darstellung Stauffenbergs zu kritisieren: Sicherlich hat der Mann extremen Mut und große Aufopferung bewiesen, jedoch sollte man nicht vergessen, dass er bestimmt nicht ohne entsprechende Begeisterung für den Nationalsozialismus einen so hohen Posten in der Nazi-Hierarchie bekommen hätte, bevor er “umstürzlerischen Gedanken anheim fiel”.

Auch wenn es die Macher mit den Tatsachen offensichtlich nicht so genau genommen haben, wird mir der Film weitgehend positiv im Gedächtnis hängen bleiben, vor allem wegen des tragischen Endes, welches den entscheidenden Unterschied zwischen Hollywood und Zeitgeschichte deutlich macht.

Fazit: durchaus sehenswert ;)

  1. antifa sagt:

    samma hastn arsch offen?

    “Sicherlich hat der Mann extremen Mut und große Aufopferung bewiesen”

    Der Typ warn Nazi und als er gerafft hat, dass der totale Krieg nicht mehr zu gewinnen war, ERST DANN, hat er den Entschluss gefasst soviel von der deutschen Volksgemeinschaft zu retten, wie nur möglich war.

  2. admin sagt:

    “…jedoch sollte man nicht vergessen, dass er bestimmt nicht ohne entsprechende Begeisterung für den Nationalsozialismus einen so hohen Posten in der Nazi-Hierarchie bekommen hätte…”

    Genau, das habe ich gemeint…falls ich mich missverständlich ausgedrückt habe. Mein Hauptkritikpunkt ist übrigens, dass Stauffenbergs Nazi-Vorgeschichte in dem Film komplett ausgeblendet wurde. Soviel dazu…
    Aber woher nimmst Du eigentlich die Sicherheit, dass Stauffenberg so ein überzeugter Nazi war? Viele der Adligen, denen ein hoher Posten in der Politik schon gesichert war, lehnten den Nationalsozialismus ab und wollten – als gebildete Adlige – mit der plumpen und primitiven Propaganda der Nazis nichts zu tun haben. Natürlich durfte das nicht offen gezeigt werden.

    C.
    (Bearbeitet am 05.02.2009)

  3. Dirk sagt:

    Mich erstaunt es, wie heute jeder ein Richter über die damaligen Menschen sein will, ohne dass sich einer dieser “Richter” je in einer vergleichbaren, gefährlichen Situation befunden hat. Ich denke nicht dass die heutige Gesellschaft insgesamt “mutiger” ist als damals. Das sieht man doch schon im Kleinen. Seit Jahren gibt es in Deutschland kleine Parteien, wo man sicher sein kann, dass diese unabhängiger wären, keine riesigen Lobbyisten als Finanzierer haben aber was macht der brave folgsame Deutsche?
    Er wählt CDU, wenn er eher christlich gerichtet denkt, er wählt SP wenn er eher links gerichtet und die Grünen wenn er eher grün denkt. Trotzdem sind alle diese grossen Parteien bloss ein Garant dafür, dass “Vetternwirtschaft betrieben wird. Weshalb nicht mal bisher völlig unbekannte Parteien wählen?
    Ganz einfach nach dem Motto, schlechter als die die an der Macht sind, können es die -Unbekannten gar nicht machen. Eine in der heutigen Zeit sehr interessante Partei ist zum Beispiel die Büso.
    Der Wikipedia Eintrag fängt so an:

    Hauptthesen der Partei:
    Die Hauptthesen der Partei sind der baldige Zusammenbruch des globalen Finanzsystems, der seit Jahrzehnten vorausgesagt wird und die notwendige Reorganisation des globalen Finanzsystems nach dem Bretton-Woods-System. Außerdem soll die Errichtung einer Transrapidstrecke über die alte Seidenstraße Millionen Arbeitsplätze bringen.

    Aber was macht der Deutsche damit? Es brauchen nur einige zu bellen, das sei doch ne Sekte und alle braven Schäfchen rennen verstört herum ohne es zu wagen aus dem brennenden Stall heraus den Flammen zu entrinnen..

  4. Constantin sagt:

    @ Dirk:

    Ich muss Dir Recht geben, dass ein Urteil mitunter schwierig ist. In diesem Fall lassen sich aber Stauffenbergs Haltungen recht genau belegen, soweit ich weiß.

    Allgemein finde ich es ein bisschen armselig, dass sich v.a. viele Jugendliche nicht einmal sonderlich für Politik interessieren, auch wenn sie in wenigen Jahren wahlberechtigt sind.

    Gruß,
    C.

  1. There are no trackbacks for this post yet.

Leave a Reply

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.