Geschichte des Internets

Um die heutige Rolle und Bedeutung des Internets in der Medienlandschaft zu verstehen und nachvollziehen zu können, ist es hilfreich, sich seine Entstehungeschichte anzusehen. Denn mediengeschichtlich ist das Internet eine einmalige Entwicklung , welche sich im Gegensatz zu Medien wie Buchdruck, Rundfunk oder Fernsehen ständig von innen heraus erneuert. Unzählige Interessengruppen tauschen sich international aus und sind stets darum bemüht, die Infrastruktur, welche die Kommunikation ermöglicht, zu verbessern. Das geschieht meist auf freiwilliger Basis, weshalb sich die Gemeinde in der Vergangenheit eher schwerfällig auf gemeinsame Standards einigte.

Die Frühphase des Internets lässt sich auf die späten 50er -Jahre zurückführen, als sich die ersten Computer-Forscher Gedanken über ein neues Kommunikationskonzept machten. Bis in die 80er-Jahre hinein… wurden diese Forschungen ausschließlich vom Militär finanziert, in diesem Fall vom US-Rüstungslieferanten Bold, Beranek and Newman (BBN). Mit der neuartigen Definition des Computers als Kommunikationsgerät statt lediglich als Rechenmaschine wurden Konzepte entwickelt, die von Netzwerken ausgingen, innerhalb derer Daten, als Pakete zusammengefasst, mit Ziel- und Absenderadresse versehen verschickt werden. Das war ein großer Umschwung im Vergleich zu den damals üblichen hierarchisch und baumförmig strukturierten Telekommunikationsnetzwerken und legte den Grundstein für die heutige, dezentrale, knotenbasierte Struktur des Internets.

In Zukunft waren vor allem das Stanford Research Institute (SRI), die University of California in Los Angeles (UCLA), die University of California in Santa Barbara (UCSB) sowie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Orte, an denen die entscheidenden Spezifikationen geschrieben und die wichtigsten Erfindungen gemacht wurden. Der Startschuss für das Internet war die erstmalige Vernetzung von vier Großrechnern an vier amerikanischen Universitäten im Jahre 1969. Drei Jahre später wurde dann erstmals ein größeres Netzwerk von 40 Rechnern öffentlich demonstriert; z.B. anhand von interaktiven Schachspielen und Joseph Weizenbaums berühmten künstlich-intelligentem Psychiater ELIZA. Darauf folgte wenig später die Entwicklung der Konzepte für die heute noch in überarbeiteter Form verwendeten Standards TCP (Transmission Control Protocol) und LAN (Local Area Network). Um 1975 wurde das Internet, welches jetzt schon über 61 Knoten verfügte, erstmals aktiv zur Diskussion genutzt. Es entstanden Mailinglisten, welche als Diskussionsplattform für die technische Szene dienten. Allerdings wurde auch über Science Fiction geredet und ein Wörterbuch für Hacker-Begriffe erstellt.

Anfang der 80er-Jahre begann allmählich die Institutionalisierung des Internets. Es wurde 1983 das Gremium IAB (Internet Activities Board) gegründet, um darin gemeinsam und auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis Lösungen für Probleme zu finden, die bei der Weiterentwicklung des Netzes auftraten. Vint Cerf und Bob Kahn, zwei führende Entwickler, gründeten 1992 schließlich die Internet Society (ISOC), die als Dachverband für verschiedene Gremien und Internet-Interessierte generell dient und bis heute besteht.

Errungenschaften wie der Internet Relay Chat (IRC), mit dem zuerst in isolierten Netzwerken synchron kommuniziert werden konnte, oder die parallel dazu entwickelten Bulletin Board Systems (BBS, Diskussionsforen), welche nach und nach auch an das Internet angeschlossen wurden, ebneten den Weg des Internets zum sozialen Netzwerk. 1991 veröffentlichte Tim Berners Lee die erste Version des WWW (World Wide Web), des Internets, wie wir es heute kennen. Schon bald folgten Programme und Suchwerkzeuge. Auch ein Kryptographie-Werkzeug zum Verschlüsseln von Emails namens PGP (Pretty Good Privacy) erschien und war das erste, welches auch von Laien eingesetzt werden konnte.

Ende der 80er-Jahre zog das Internet auch in Europa ein und ersetzte das bis dahin übliche OSI-Netzwerk. Schon 1989 erhielt Deutschland eine eigene Länder-Domain (.de).

Ab 1990 begann dann die großräumige Kommerzialisierung des Internet, nachdem ein entsprechendes Werbeverbot aufgehoben wurde. Das öffnete Tür und Tor für Massen an Werbebotschaften, die von da an ein fester Bestandteil des Internet wurden. Der erste kommerzielle Internet-Provider  „World“ wurde 1990 gegründet. Das WWW wuchs und wuchs: Innerhalb der Jahre 1991 bis 1993 verdoppelte sich die Zahl der Host-Rechner (Rechner, welche an das Internet angeschlossen sind) von 600.000 auf 1,3 Mio. Und je größer das Internet wurde, desto aggressiver auch die Stimmung auf dem Markt. Meist kauften Privatleute Domains, die Firmennamen entsprachen (ein bekanntes Beispiel ist MTV.com), welche ihnen von den Konzernen, welchen die wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Internets entgangen war, im Nachhinein wieder abspenstig gemacht wurden.

Nach und nach wurde das Internet auch in der nichtakademischen Bevölkerung immer bekannter, wodurch das Angebot an frei zugänglichen Informationen immer breiter und das Interesse großer Firmen, die ihre Produkte über das Netz verkaufen wollten, immer größer wurde . Auch viele Privatleute gründeten Firmen, welche nur im Internet agierten – da das für eine Firmengründung notwendige Startkapital gering war. Ermöglicht wurde dieses stetige Wachstum vor allem durch große Investitionen in die Leitungsnetze, wodurch die Preise für einen Zugang sanken. Viele der neu gegründeten Firmen gingen damals an die Börse. Doch 2000 wurde dieser Boom (auch Dotcom-Boom genannt) vorerst gestoppt – es kam zu einem Börsencrash. Schon zuvor hatten Experten vor einer Überbewertung der Aktienkurse von Internetfirmen gewarnt. Rückblickend wird der Dotcom-Boom daher als Dotcom-Blase bezeichnet.

Doch obwohl dadurch das rasante Wachstum des Internet erst einmal abgebremst wurde, geht sein Vormarsch zur Informationsquelle Nr. 1 in der Gesellschaft weiter. Als jüngste Entwicklung des Internet ist hier das sog. Web 2.0 zu nennen. Als Web 2.0 wird allgemeinhin der Teil des Internet bezeichnet, den soziale Netzwerke ( Social Communities ) bilden. In diesen riesigen Gemeinschaften kommunizieren meist mehrere Millionen Nutzer. Diese können Inhalte selbst hinzufügen und ändern, wodurch die Masse an Informationen stetig wächst. Das erschwert auch die strafrechtliche Verfolgung bzw. Unterbindung krimineller Inhalte (Kinderpornographie, Rechtsradikalismus) erheblich.

Welchen Stellenwert das Internet heutzutage in unserer Gesellschaft hat, verdeutlicht die Tatsache, dass bereits 2005 in Deutschland mehr Strom für den Betrieb der Internet-Infrastruktur verbraucht wurde, als für die Beleuchtung.

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