Immer häufiger werden von rechtsradikalen Websites auch multimediale Elemente wie Flash-Animationen und Musik-Player zusammen mit professionellem Webdesign im Web 2.0-Stil verwendet, welche eine zusätzliche Anziehungskraft auf Jugendliche ausüben. Ebenso häufig werden Symbole und Parolen anderer Szenen wie z.B. Che-Guevara-Konterfeis und der Slogan „Good Night, White Pride“ umgeändert und für eigene Zwecke missbraucht, siehe Kapitel „Die Website der AG-Rheinland“, was auf Jugendliche meist harmlos wirkt.
Am 26. Januar 2008 erschien auf der Website AG-Rheinland.net ein Artikel mit o.g. Titel, anhand dessen sich beispielhaft die Relativierungs- und Tatsachenverdrehungsversuche der Autoren darstellen lassen. Er beginnt ohne Umschweife mit einer indirekten Relativierung des Holocausts bzw. der volksverhetzenden Thesen der Anfang 2008 wegen Volksverhetzung verurteilten Sylvia Stolz2. Erwähnt wird nur, dass sie „revisionistische Thesen im Bezug auf längst vergangene Zeiten“ geäußert habe. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen wird im nächsten Absatz Heribert Illig3 erwähnt, der nach Meinung der Autoren anscheinend auch verurteilt werden müsste, da er „ohne weiteres behauptet, dass schlappe 300 Jahre Mittelalter erfunden sind“. Tatsächlich hat Illig eine entsprechende These vom „Erfunden Mittelalter“4 aufgestellt, welche von Fachwissenschaftlern als unwissenschaftlich, weil methodisch falsch erstellt, zurückgewiesen wird. Dass sich beide Thesen nicht analog betrachten lassen, ergibt sich aber schon allein aus der Tatsache, dass es sich bei dem einen Zeitabschnitt um jüngste deutsche Geschichte und bei letzterem um Rekonstruktionen von mehrere Jahrhunderte alten Geschehnissen handelt. Logischerweise ergibt sich auch nur aus der Leugnung belegter Tatsachen der Straftatbestand der Volksverhetzung, nicht aber aus wissenschaftlich zweifelhaften Schlussfolgerungen über wirklich längst vergangene Zeiten. Hier wird vom Autor versucht, den Eindruck zu erzeugen, das deutsche Rechtssystem sei willkürlich und ungerecht. read more »
Die „Aktionsgruppe Rheinland“ ist eine der vielen derzeit auch im Internet sehr aktiven „Nationalen Sozialisten“ oder „Autonomen Nationalisten“. Angebote und Inhalte sowie die Aufmachung der Website sind dabei speziell auf Jugendliche zugeschnitten. Gekonnt wird dabei rechtsradikales Gedankengut mit aufreißerischen Kommentaren zum politischen Tagesgeschehen vermengt, sodass es nur selten auffällt, wenn z.B. Begriffe aus dem Dritten Reich verwendet werden.
2.1.2.1 Optik der Website
Insgesamt ist die Internetpräsenz der „AG-Rheinland“ zeitgemäß gestaltet. Auffallend ist vorallem die Farbgebung, während die Anordnung der Inhalte klassisch ist. Dominierende Farben sind (wahrscheinlich nicht nur wegen ihrer Signalwirkung) Schwarz, Rot und Weiß. Als Hintergrundfarbe dienen Beige bzw. Grau.
Schon am Logo der Website lassen sich Art und Zielgruppe der rechten Propaganda ablesen. Auf schwarz-grauem Camouflage-Hintergrund prangt der Schriftzug „Aktionsgruppe Rheinland“, darunter als Filmstreifen verkleinerte Fotos von Veranstaltungen. In der Mitte ein verfälschtes Symbol des politischen Gegners, der Antifa: Die rote und schwarze wehende Flagge, darum ein schwarzer Ring mit einem weißen Schriftzug. Während es bei dem Antifa-Logo „Antifaschistische Aktion“ heißt, lautet der Spruch der „AG-Rheinland“ „Nationale Sozialisten Bundesweite Aktion“. Über dem Ganzen ist auf einem stilisierten Spruchband „Revolution“ zu lesen. Rechts neben dem Plagiat des Antifa-Logos der Slogan „jung, rebellisch, revolutionär“ (in Rot und Weiß), dahinter ist die bekannte Zeichentrick-Figur „Homer Simpson“ zu sehen. „Homer“ zielt mit einem Colt auf den Betrachter. Hier wird absichtlich eine populäre Figur mit Wiedererkennungswert verwendet, um die Gruppe für Jugendliche spannender zu machen. Ingesamt gibt sich die Gruppe „rebellisch“ und „autonom“ sowie „antikapitalistisch“. Die eigentlichen Motive, welche fremdenfeindlich sind und Forderungen nach „Maßnahmen gegen Überfremdung“, welche das Erscheinungsbild der „AG Rheinland“ erst maßgeblich von dem linksradikaler Gruppen unterscheiden, tauchen nur sporadisch bzw. umschrieben auf.
Da Inhalte im Internet nicht an nationale Grenzen gebunden sind, ist an dieser Stelle auch die, durchaus umfangreiche, Website der US-amerikanischen Organisation „National Alliance“ zu nennen. Diese neo-nazistische, rassistische und antisemitische Vereinigung wurde 1976 von Dr. William L. Pierce gegründet, welcher vor allem durch seine hetzerische Publikation „Die Turner-Tagebücher“ („The Turner Diaries“) bekannt wurde. Nach Pierces Tod 2002 übernahm Erich Gliebe den Posten des Vorsitzenden, welchen er bis heute offiziell inne hat. Die „National Alliance“ agiert nicht nur in den USA, sondern unterhält internationale Kontakte, z.B. nach Großbrittanien (zur BNP) und Deutschland (zur NPD).